Beim Zukunftsgespräch des SPD-Ortsvereins Degerloch gemeinsam mit dem SPD-Kreisverband Stuttgart diskutierten am 20.03.06 rund 60 Gäste in der „Alten Scheuer“ am Agnes-Kneher-Platz in Degerloch über die Zukunft von Arbeit und Bildung in einer globalisierten Welt.
Prof. Dr. Ortwin Renn, Inhaber des Lehrstuhls für Technik und Umweltsoziologie an der Universität Stuttgart führte aus Sicht der Wissenschaft ins Thema ein. Er betonte, dass man bei der Technik über die Chancen reden müsse, aber auch die Risiken nicht vernachlässigen dürfe, so bspw. bei der Gentechnik, der Atomenergie und der Nanotechnologie. Ortwin Renn erläuterte, dass in einer globalisierten Wirtschaftsordnung der Produktionsort eines Produktes bei geringen Transportkosten und weltweiter Kommunikation keine Rolle mehr spiele. Mit diesem System müsse man leben, aber Renn betonte auch, dass wir „nicht blinde Opfer“ der Globalisierung seien, die Globalisierung müsse gestaltet werden.
Um Arbeit in einem Land wie Deutschland zu erhalten, setzt Prof. Renn auf drei Aspekte, erstens auf Effizienz der Produktion, zweitens auf die Qualität der Produkte und drittens auf die Flexibilität. Die Effizienz lasse sich entweder durch sinkende Arbeitskosten erreichen oder durch eine gute Organisation. Renn unterstrich, dass einer Ansicht nach die Effizienz nicht auf Kosten der Arbeitslöhne erreicht werden solle, sondern durch eine bessere Organisation. Dazu sei Wissen und Bildung notwendig. Renn betonte, dass man dazu sowohl den Hochschulbereich als auch die handwerklichen Berufen benötige. Der Landesregierung warf Prof. Renn vor, dass diese der beruflichen Bildung bisher nicht den Stellenwert gegeben habe, der ihr zustehe.
Stadtrat Andreas Reißig betonte, dass die Bildungspolitik als originäre Aufgabe des Landespolitik für ihn einen hohen Stellenwert habe. Sowohl der Hochschulbereich als auch die Berufschulen seien sehr wichtig. „Wir brauchen qualifizierte Arbeitsplätze“ so der Kreisvorsitzende der SPD Stuttgart. Reißig ärgerte sich über den amtierenden Ministerpräsidenten, der sagte, dass die Leistungsfähigkeit Älterer „ab 40“ sinke und sie deshalb auf Lohn verzichten sollten. Er betonte, dass Baden-Württemberg auch die Älteren brauche, deshalb müsse es z. B. Weiterbildungsangebote für Ältere in Firmen geben.
Ferner liege in Stuttgart die Jugendarbeitslosigkeit bei etwa 10 %. In Baden-Württemberg fehlen derzeit insgesamt 30.000 Ausbildungsplätze. Der Landtagskandidat des Wahlkreises Filder betonte, dass die SPD Baden-Württemberg plane, Sonderprogramme für Jugendliche in Höhe von 100 Mio. Euro zu starten. Für die SPD sei es wichtig, dass jede und jeder Jugendliche eine faire Chance erhalte. Zur Ergänzung zum Dualen System werde die SPD daher die überbetrieblichen und vollschulischen Ausbildungsangebote besser unterstützen. Die Sonderprogramme sollen durch Mehreinnahmen im Rahmen der Streichung der Eigenheimzulage finanziert werden.
Reißig zitierte als ein Fazit der Veranstaltung noch den Sozialdemokraten Erhard Eppler, der gesagt hat „Bildung ist ein Menschenrecht und keine betriebswirtschaftliche Größe!“
Nach einer lebhaften Diskussion mit den Referenten konnten die Gäste die Gespräche mit den Stadträten Andreas Reißig, Dr. Maria Hackl und Ergun Can sowie mit Prof. Ortwin Renn im Anschluss an den offiziellen Teil bei einem Glas Rotwein und Brezeln fortsetzen.
Gez. Ursula Wolf
Pressemitteilung der SPD Degerloch